Abenteuer Wärmepumpe

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2021 tauschten wir unsere Gastherme in unserem Einfamilienhaus gegen eine Luft-Wärmepumpe aus - ohne weitere Installationen oder Sanierungsmaßnahmen. Ich schreibe die Erfahrungen auf, da ich mich selbst in die Thematik einarbeiten musste, keine Ahnung hatte und in etlichen Foren erst einmal Informationen zusammentragen musste. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen. Infolge von Klimawandel und Energiewende dürften Wärmepumpen bald ein großes Thema werden, da fossile Energien möglichst innerhalb von 10 Jahren verschwinden müssen, wenn es denn irgendwie möglich ist. Wärmepumpen heizen mit Strom - und das besonders effizient. Damit sind sie wohl der schnellste Weg zur Klimaneutralität für Wohngebäude und in einigen Jahren voraussichtlich die günstigste Art zu heizen.

Update 2022: Durch den russischen Angriff auf die Ukraine müssen Gaskunden inzwischen damit rechnen, dass sich die Heizkosten verdoppeln. Das führt aktuell zu einem Run auf Wärmepumpen und langen Wartelisten von ca. einem Jahr. Leider steigen dadurch auch die Installationspreise deutlich um einige 1000€.


Mini-FAQ:
Wie teuer ist eine Wärmepumpe?Eigenanteil ca. 12.000€
(8000€ WP + WW Speicher+ Installation + 3000€ Elektro = 20000€, 40% Förderung bei Austausch einer Gastherme, z.Vgl: neue Gastherme ca. 8.000€)
VerbrauchskostenDerzeit ähnlich wie Gas und Fernwärme, langfristig günstiger
(1200€/Jahr bei 150m2 90er Jahre-Bestand bisher, die aktuellen Preisturbulenzen bei Strom und Gas machen eine vergleichende Kalkulation schwierig. Wenn sich Gas dauerhaft durch den CO2-Preis stark verteuert und der Strompreis durch die Energiewende einigermaßen stabil bleibt, wird die Wärmepumpe günstiger)
Auch im Altbau?Ja.
(1990er Jahre Standard: Kein Problem. Ungedämmt: Evtl. Mehrkosten bzw. etwas kühler bei starkem Frost)
PlatzbedarfÄhnlich wie Gastherme, zusätzlich Außeneinheit
(weitere Umbauten im Haus nicht zwingend nötig)

Kästen mit Propellern - Wozu sind die eigentlich gut?

Bis vor wenigen Jahren hielt auch ich die riesigen Propellerkästen vor einigen Häusern noch für Klimaanlagen - wie man sie aus Südeuropa kennt. Pusten sie Luft ins Haus? Natürlich nicht (siehe Grundwissen). Zwar gibt es etwa seit dem Jahr 2000 eine wachsende Szene von innovativen Privatleuten, die sie für das Heizen nutzen. Die Modelle hatten in den Anfangsjahren ihre Tücken, waren laut, oft schlecht eingestellt und somit ein Groschengrab. Mit der Möglichkeit, sie auch als Heizung für ein Privathaus zu nutzen, setzte ich mich aber erst 2019 auseinander, als die Idee entstand, Photovoltaik auf das Dach zu bringen.

Eine neue Gastherme? Nicht zu verantworten.

Die Investitionsentscheidung wurde dann dadurch beschleunigt, dass der Elektriker bei der Installation unserer PV-Anlage im November 2020 versehentlich 400 Volt durch das Hausnetz jagte. Das zerschoss etliche Netzteile von Gefrierschrank, Wäschetrockner, Geschirrspüler, Drucker und etlichen Kleingeräten. Die Gastherme lief zwar nach einem Sicherungstausch weiter. Der Heizungsinstallateur sprach aber von einem Sicherheitsrisiko. Die Elektronik von 1997 war nicht mehr verfügbar. Also brauchten wir eine komplett neue Heizung. Prinzipiell war die Gastherme gut und sparsam gelaufen. Mit etwa 18.000 KWh Heizenergie pro Jahr und rund 1000 Euro Heizkosten auf 150 qm in einem 4-Personen-Haushalt konnten wir nicht klagen. Innerhalb von einer Woche hätten wir wohl eine neue Gastherme haben können. Die würde dann aber bis vielleicht 2050 laufen. Angesichts der Dramatik des Klimawandels keine gute Idee - mehr dazu unter Alternativen.

Wärmepumpen Grundwissen

Wo die Propeller sind, ist es fast hohl.
Hinten sieht es aus wie ein Kühlschrankgitter.

Das umgekehrte Kühlschrankprinzip

Wärmepumpen benötigen zum Heizen Strom. Sie schaffen es aber, aus einer Kilowattstunde im Vergleich zur Elektroheizung etwa die drei- bis vierfache Menge an Wärme zu produzieren. Der Trick: Die Wärmepumpe entzieht der Außenluft die benötigte Wärmeenergie. Selbst Frostluft besitzt noch einen nutzbaren Wärmegehalt. Um die Luft im Haus z.B. von 5 auf 20 Grad zu bringen, wird ein eine größere Menge an Außenluft von 5 auf 0 Grad heruntergekühlt.

Dazu fließt über dünne Rohre ein spezielles Kältemittel (könnte auch Wärmemittel heißen) im Kreislauf zwischen Innen- und Außeneinheit hin- und her. Zunächst nimmt es die Temperatur der Außenluft auf. Kompressoren pressen es dann zusammen. Es wird heiß. Die Hitze bringt über einen Wärmetausch das Heiz- und Warmwasser im Haus auf Temperatur. Dann lässt der Druck nach. Das Kältemittel hat ja Energie verloren, ist also nun entsprechend kälter als die Außenluft und kann von dieser draußen wieder erwärmt werden. Kaum zu glauben, aber wahr: so lassen sich in mehreren Etappen bis zu 60°C für Heiz- oder Warmwasser erreichen. Typischerweise steht vor dem Haus die Außeneinheit mit einem oder zwei kräftigen Propellern, denn es muss ein Vielfaches des Hausvolumens an Außenluft durchgeschleust werden.

Luft, Wasser oder Geothermie

Am einfachen lassen sich Wärmepumpen installieren, die ihre Umweltenergie aus der Außenluft beziehen, so genannte Luft-Wasser-Wärmepumpen. Dagegen nutzen Wasser-Wasser-Wärmepumpen die Wärmeenergie von fließenden Gewässern. Wenn eine Strömung selbst erzeugt werden muss, senkt das natürlich die Effizienz. Bei Erd-Wärmepumpen ist eine Bohrung von 50 bis 400 Metern Tiefe nötig, um Wärmeenergie aus dem Erdreich zu nutzen. Beide Alternativen können bessere Wirkungsgrade erreichen. Die Installation ist aber aufwändiger und damit teurer. Bei Erd-Wärmepumpen kommt das Risiko hinzu, dass sich das Erdreich rund um das Rohr langfristig zu stark abkühlt. Weniger verbreitet sind Luft-Luft-Wärmepumpen mit einer eher geringen Effizienz, die warme Luft ins Haus pusten, ohne dass Heizungswasser benötigt wird.

1 kWh Strom für 4 kWh Wärme

Natürlich arbeitet eine Wärmepumpe nicht von selbst. Die Kompressoren und Propeller benötigen Strom. Und hieraus berechnet sich Wirkungsgrad bzw. die Jahresarbeitszahl (JAZ) oder der COP-Wert (Coefficient of Performance). Über das Jahr gerechnet schaffen es Wärmepumpen im Schnitt, aus einer Einheit elektrischer Energie die vierfache Wärmemenge zu produzieren (COP=4). Bei milden Außentemperaturen steigt der COP sogar auf 6, bei starkem Frost sinkt er unter 2. Je höher die Differenz aus Außentemperatur und der nötigen Temperatur in den Heizkörpern ist, umso schlechter ist leider die Effizienz.

Typische COP/JAZ-Werte für verschiedene Vorlauftemperaturen

Außentemperaturnötiger Vorlauf AltbauCOP Altbaunötiger Vorlauf NeubauCOP Neubau
13°C35°C425°C6
5°C45°C328°C5
0°C50°C231°C4
-10°C60°C1.335°C3
-20°C70°C140°C2

Das bedeutet: Wenn es kälter wird, steigt der Strombedarf überproportional, da gleichzeitig mehr Heizenergie benötigt wird und die Effizienz sinkt. Üblicherweise sind Wärmepumpen so dimensioniert, dass sie bei Frost unter etwa -10°C Heizstäbe im Kessel hinzuschalten, die rein elektrisch heizen, weil die Leitung dann nicht mehr ausreicht.

Planen der Anlage

Wärmepumpe im Bestand? Ja, bitte!

Kaum Fußbodenheizung, nur Flachheizkörper.
Aber es funktioniert: 30-35 °C Vorlauf reichen meist aus.

Sie funktionieren überall, aber bei hohem Vorlauf ist sie eben weniger effizient. Das macht sie für Neubauten zur ersten Wahl. Diese sind nach den neuesten Standards gedämmt und oft großflächig mit Fußbodenheizung versehen, so dass das erwärmte Wasser im Heizkreislauf über große Flächen seine Energie abstrahlen kann. Deshalb reichen in Neubauten 35°C im Heizkreislauf aus, selbst wenn draußen strenger Frost herrscht.
Unser Haus wurde 1997 gebaut. Die Vorlauftemperatur ist bei Altbauten viel höher: Oft werden 50 bis 60°C angegeben, um im schlimmsten Fall alte Röhrenheizkörper zu erhitzen. Es grenzt ja schon an ein Wunder, dass die Wärmepumpe aus der -8°C kalten Außenluft noch Energie entziehen kann, um Heizwasser auf diese hohen Temperaturen zu bringen. Dann aber sinkt der Wirkungsgrad beträchtlich, so dass irgendwann zu mehr als 50% elektrisch geheizt wird. Aus diesem Grund wird oft geraten, erst zu sanieren, also zu dämmen, Fußbodenheizung einzubauen. Das hatten wir nicht vor.

Die spannende Frage war nun: Mit welchem Vorlauf werden wir auskommen? Nur kleine Bereiche von Küche und Bädern sind bei uns mit Fußbodenheizung versehen. Die Heizkörper sind zwar flach, aber eher klein dimensioniert. Das Haus erschien uns immer ganz gut wärmegedämmt. Nach den ersten Wintertagen steht fest: Bei Außentemperaturen um die 0°C reichen tatsächlich 40°C im Vorlauf. Und selbst bei strengem Frost von -8°C bleibt das Haus bei angemessenen Kosten angenehm warm, obwohl sie nachts dann nur im sparsamen Frostschutzmodus läuft. Mehr dazu unten im Abschnitt zu den Verbrauchswerten und -kosten.

7 oder 10 KW Heizleistung? Große Anlagen sind genauso effizient, nur etwas teurer.

In vielen Foren ist zu lesen, dass eine zu groß dimensionierte Wärmepumpe Nachteile hat. Das ist ein Aspekt, wenn man erst die Wärmepumpe einbaut und eine Sanierung noch aufschieben möchte. Größere Wärmepumpen sind etwas teurer und sperriger. Bei der Effizienz, also den Verbrauchskosten, gibt es wenig Unterschiede. Wer Photovoltaik ohne Batteriespeicher hat, kann den selbst erzeugten Strom besser nutzen, wenn die kleinere Wärmepumpe weniger Leistung zieht, dafür aber länger läuft. Aber das ist nur ein Randaspekt, da PV im Winter ohnehin nur wenig Energie liefert. Schwieriger ist zu beurteilen, ob Wärmepumpen schneller verschleißen, wenn sie überdimensioniert sind. Sie laufen dann nur kurz und machen längere Pausen. Aber da Wärmepumpen üblicherweise so ausgelegt sind, dass sie bei ca. -8°C Frost (je nach Klima am Wohnort) ihre volle Leistung bringen, taktet bzw. "moduliert" jede Wärmepumpe über weite Strecken sowieso in der etwas milderen Zeit.

Heizstab besser abschalten

Wenn es noch kälter als die Grenztemperatur -8°C (Bivalenzpunkt) wird, kann der elektrische Heizstab aktiviert werden. Ob er zum Einsatz kommt, lässt sich meist in den Grundeinstellungen festlegen. In diesem Fall würde die Wärmepumpe zeitweise volle 10 kW Strom ziehen, während sie ja sonst bei Frost nur ca. 4 kW (COP2.5, also 10 kW Wärme/2.5) benötigt und wohl auch im WP-Betrieb gar nicht mehr verbrauchen kann. Bei schlechter Effizienz sinkt dann eben der Wärme-Output. Mit Heizstab wäre es dann sozusagen COP=1, wie bei einer reinen Elektroheizung. Dadurch schnellen die Kosten in die Höhe: Eine Stunde Heizstab kostet dann 3€ für den Strom. Wenn man darauf verzichtet, wird das Haus eben nicht ganz so warm. Bei -8°C konnte unser Haus aber tagsüber 19-20°C Innentemperatur ohne Heizstab bei einem Heiz-Tagesverbrauch von ca. 30 kWh (9€) halten.

Auswahl des Kältemittels

Hier unbedingt aufpassen und ein klimaschonendes Mittel wie R290 wählen!

Bisherige Kältemittel sind leider bisher oft Klimakiller! Auch unser Installateur wollte uns zuerst ein Modell verkaufen, das R410A (HFC-410A) nutzt - angeblich das meistgenutzte Kältemittel. Das synthetische Mittel ist aber mehr als 2000 mal so klimaschädlich wie CO2. Typischerweise werden nur etwa 3 kg davon benötigt. Trotz der geringen Menge ergibt sich die Klimaschädlichkeit von ca. 6 Tonnen CO2. Das entspricht etwa den Emissionen von zwei Jahren Heizen mit Erdgas! Nach ein paar Jahren kann Kältemittel allmählich entweichen. Man muss es nachfüllen. Ab 2025 ist das nur noch begrenzt erlaubt. Es gibt Ersatzmittel, die brennbar sind, immer noch einen 600-700fachen Klimaeffekt haben und voraussichtlich sehr teuer werden. Früher waren Kühlschränke, Klimaanlagen und die wenigen Wärmepumpen noch problematischer, weil sie ozonschädigende FCKW (Fluorkohlenwasserstoffe) verwendeten. Die fluorbasierten Ersatzmittel (F-Gase) waren insofern ein Fortschritt, bleiben aber ein Problem.

Besser ist es, gleich ein propanbasiertes Mittel (R290) zu wählen. Seit 2020 kommen solche Wärmepumpen verstärkt auf den Markt. Die Effizienz ist identisch. Propan hat nur einen Klimafaktor von 3. Wenn es entweicht, entspricht das also nur einem Tag Heizen mit Gas. Weil es brennbar ist, erfordert die Installation Fachkenntnis. Aber das ist ja bei Gas nicht anders.

Wieviele Liter für den Warmwasserspeicher?

Die Inneneinheit ist kaum größer als die Gastherme.

Wir nahmen das angebotene Modell mit 180 Litern, das in einem Vier-Personen-Haushalt ausreicht, wenn nicht alle gleichzeitig ausgiebig duschen. Ein Alternativangebot hatte 300 Liter. Auch Pufferspeicher für das Heizwasser kommen in Betracht.

Für einen großen Speicher spricht langfristig die Möglichkeit, später einmal stündlich variierende Stromtarife zu nutzen. Man heizt den Kessel dann hoch, wenn es günstig ist, also z.B. gerade viel Windenergie produziert wird (siehe auch Legionellen-Stopp). Somit trägt man einen kleinen Teil dazu bei, den Ausbau von Stromnetz und Speichern für die Energiewende in Grenzen zu halten. Derzeit (2022) gibt es dafür nur wenige Anbieter für flexible Tarife. Und wenn, dann nur für regulären Hausstrom, nicht für den vergünstigten Wärmepumpenstrom (s.u.). Mittelfristig ist aber damit zu rechnen, dass sich das Angebot vergrößert und man damit Geld sparen kann. Nicht zuletzt kann man den Kessel mit eigenem Solarstrom hochheizen, wenn gerade die Sonne auf die Photovoltaikanlage scheint. Gerade im Winter reicht die Ausbeute einer gängigen 10 kWp-PV-Anlage (p=peak, also installierte theoretisch mögliche Spitzenleistung) allerdings nicht dazu aus. Im Sommer dürfte man dagegen den gesamten Warmwasserbedarf auf diese Weise decken können.

Ein großer Speicher braucht natürlich auch mehr Platz, kostet mehr und senkt die Effizienz. Denn das Warmwasser muss benötigt meistens eine höhere Temperatur als der Heizkreislauf, z.B. 55°C. Diesen Wert kann die Wärmepumpe nur mit geringer Effizienz (z.B. COP 2 bei Frost) liefern. Wenn das Wasser dann gar nicht gebraucht wird, muss der Kessel ständig nacherwärmt werden. Die entwichene Wärmeenergie bleibt zwar im Haus bzw. im Raum mit der Heizungsanlage, wird dort aber gar nicht so sehr benötigt und hätte effizienter über die Heizkörper verwendet werden können. All das sind aber zum heutigen Zeitpunkt eher perfektionistische Ideen, die sich auch nur mit der richtigen Software umsetzen lassen. Dem Tüftlergeist sind im Moment noch Grenzen gesetzt, da die Steuerungsmodule dafür nicht ausgelegt sind. Zumindest lässt sich bei uns separat per statischer Zeitsteuerung einstellen, wann Warmwasser aufbereitet werden soll. Wenn man das auf die mittäglichen Sonnenstunden reduziert, in denen die PV-Anlage produziert, und mit einer Kesselfüllung Warmwasser am Tag auskommt, steigert man den PV-Eigenverbrauch und spart Geld.

Wo aufstellen?

Die mögliche Geräuschemission war eine der größten Bedenken. Wenn Menschen in der Nachbarschaft oder im eigenen Haushalt empfindlich sind, dann eine potentielle Störquelle identifizieren und sich darauf einschießen, kann das eine Menge Stress bedeuten. Das kennt man von Windkraftanlagen mit der Diskussion um nicht hörbaren Infraschall. Als Funkamateur weiß ich, dass das alleinige Aufstellen einer Antenne ohne aktiv zu senden, schnell als Ursache für Unwohlsein oder technische Defekte gehalten wird.

Ein Tipp: Fahren Sie bei Frost in ein Neubaugebiet, wo Wärmepumpen statistisch inzwischen mehr als die Hälfte der Häuser beheizen, solange dort kein Anschlusszwang für Fernwärme oder andere Konzepte besteht. Hier steht eine Wärmepumpe neben der anderen. So haben wir es gemacht und waren erstaunt, wie ruhig es ist. Meistens. Es gab auch einzelne Modelle, die dann doch etwas weiter zu hören waren. Und das ist dann natürlich die unbekannte Größe. Was ist, wenn nach einigen Jahren die Geräusche zunehmen?

Der Installateur kalkulierte das erste Angebot mit pauschal 10 Metern im Boden verlegten Rohr für rund 600 €. So viel Abstand hätten dann Außen- und Inneneinheit. Er meinte, das gebe keinen Wärmeverlust. Sollte aber die Performance nach einiger Zeit nachlassen, wäre die unterirdische Fehlersuche aber kompliziert. Nach dem Motto "Keep it simple" steht die Außeneinheit jetzt direkt vor dem Hauswirtschaftsraum. Ein paar Gehwegplatten sorgen für eine Erhöhung um ca. 20cm, zusätzlich zu dem Ständerfuß. Ohne einen Hinweis hätte das Installationsteam die Propellerkästen ebenerdig hingestellt. Je höher umso wärmer umso besser die Effizienz. Außerdem verwirbeln am Boden eher Blätter und Schnee. Sollte die Wärmepumpe einmal in einer Schneewehe versinken, die sie nicht selbst wegpusten kann, muss der Heizstab ran. Das gilt es also zu verhindern. Apropos Effizienz: Am wärmsten ist die Luft natürlich auf den Seiten vom Haus, die etwas Sonne abbekommen. Ich denke, mit der Ostseite liegen wir ganz gut, da wir nachts nicht heizen und entsprechend morgens der Heizbedarf am größten ist.

Wo Autos rangieren, sollte die Wärmepumpe mit einem Gitter oder Pollern gesichert werden. Auf unserem Grundstück ist die Kollisionsgefahr nicht allzu hoch. Wir wählten Holzpfähle und einen kleinen Stakettenzaun, der jahreszeitlich dekoriert wird. Ist ganz hübsch geworden.

Erst Sanierungsgutachten, dann Förderantrag, dann Auftrag

Bei der Förderung geht es in unserem Fall um rund 8.000 Euro, wenn man von 40% und 20.000€ Gesamtkosten ausgeht. Voraussichtlich wird es sie in Kürze wieder geben, auch wenn das Bundeswirtschaftsministerium am 26.1.2022 vorerst das BEG-Programm gestoppt hat. Hier kommt es auf die richtige Reihenfolge an, damit man nicht leer ausgeht.

Das Sanierungsgutachten

Dieses Gutachten eines zertifizierten Energieberaters brachte bisher 5% zusätzliche Förderung für das Gesamtprojekt beim Austausch einer alten Gas- oder Ölheizung, so dass man auf 40% (Gas) bzw. 50% (Öl) Gesamtförderung kam. Das wären also etwa 1000€ mehr- Das Gutachten selbst kostete in unserem Fall stattliche 1300€ (inzwischen sogar mehr als 1600 €), von denen aber wiederum 80% gefördert wurden, so dass wir nur 260€ (jetzt 320€) dafür bezahlten. Macht einen Nettogewinn von 740€ (erhöht sich noch bei aktuell steigenden Installationskosten), egal ob man es nun inhaltlich braucht oder nicht.

Uns hat es nicht überzeugt. Wir hörten, es sei schon schwer einen Energieberater zu finden, hatten aber Glück. Die Kollegen kamen schnell, waren aber nach zwei Fotos auch schnell wieder weg. Eingentlich soll das gesamte Haus vermessen werden, Türen und Fenster begutachtet - hat ja auch seinen Preis. Stattdessen schickte ich nach Aufforderung die Bauunterlagen mit Grundrissen, Wandstärken etc. an das Büro. Das Ergebnis wirkte so, als seien einige Schlüsselwerte einfach in eine Eingabemaske eingetragen worden und eine mehrseitige Broschüre dann automatisiert erstellt worden. Es gab einen groben Fehler bei der Grundfläche (100 statt 150 m2), der nach Beanstandung dann korregiert wurde. Unsere Heizkosten wurden dreimal so hoch angesetzt. Es wurde die Sanierung von Dach, Fenstern, Türen, Fundament empfohlen und dazu Rechnungen aufgesetzt, denen ich nicht ganz vertraue. Aber es wurde eben zur Wärmepumpe geraten.

Der Förderantrag bei der BAfA

Das Ausfüllen im Internet war einfach. Man musste das Sanierungsgutachten hochladen und Wärmepumpen-Modell angeben. Unseres war in der Liste vertreten, so dass gleich die JAZ erfasst wurde. Sie muss mindestens 3,5 betragen. Wichtig: Lieber die geschätzen Kosten etwas höher ansetzen, denn mehr als eine Förderung entsprechend des Höchstwertes gibt es nicht. Der Heizungsmonteur hatte generell empfohlen, dass der Energieberater mit seiner Erfahrung alles ausfüllt, um Fehler zu vermeiden. Aber es klappte: Nach zwei Monaten kam der Förderbescheid mit einem Jahr Frist zur Umsetzung, die auf zwei verlängert werden kann. Das Geld wird erst gezahlt, nachdem man die Rechnungen, eine "Fachunternehmenerkläung" des Installateurs (dafür gibt es einen Vordruck) und die "Bestätigung der wahrheitsgemäßen Anhgaben" eingereicht hat. Der Handwerksbetrieb darf erst nach Antragstellung beauftragt werden. Wer den Förderbescheid nicht abwartet, handelt auf eigenes Risiko.

Verbilligter Strom für Wärmepumpen

Links der Summenzähler, rechts der Hausstrom mit PV-Anbindung

Bei der Planung des Elektroanschlusses kann es sich lohnen, einen zweiten Zähler einzubauen, denn es gibt Angebote für verbilligten Wärmepumpenstrom. Hierfür entstehen ein paar Hundert Euro zusätzliche Einbaukosten. Er braucht auch etwas Platz und daher ggf. einen zusätzlichen Elektroschrank. Außerdem werden in unserem Fall ca. 100 Euro Grundgebühr im Jahr fällig. Im Gegenzug kostete z.B. 2021 die Kilowattstunde Ökostrom für die Wärmepumpe bei unserem Anbieter Green Planet Energy (vormals Greenpeace Energy) nur 23,9 statt 30,9 Cent. Erlaubt ist zudem, auch die Wallbox für das E-Auto daran zu hängen. Das muss aber bei jedem Anbieter erfragt werden. Bei 4300 kWh für die Wärmepumpe und 2700 kWh (15000 km mit 18 kWh/100 km) wären das 7000 kWh und damit knapp 500€ pro Jahr Ersparnis. Lohnt sich also spätestens nach ca. 2 Jahren. Wahrscheinlich steigen die Preise. Die 7 Cent Differenz könnten aber bleiben. Begründung ist, dass der Netzbetreiber bei Engpässen das Recht hat, den Anschluss dreimal täglich für zwei Stunden am Tag abzuschalten. Unser Elektriker meinte aber, dafür sei im Moment noch gar nicht die Infrastruktur beim Netzbetreiber vorhanden. Trotzdem muss man mittelfristrig aber damit rechnen. Es gibt übrigens auch bei anderen Anbietern auch Verträge mit separaten Tag-/Nachttarifen für Wärmepumpen.

Komplizierter wird aber die Rechnung mit Photovoltaik auf dem Dach. Diese wollen wir natürlich sowohl für Wärmepumpe / Wallbox als auch für den Hausstrom nutzen. Da wir für die Einspeisung nur ca. 8 ct/kWh bekommen, lohnt sich vor allem der Eigenverbrauch. Hierzu ist nun eine Kaskadenschaltung aufgebaut. Der erste Zähler erfasst den Gesamtverbrauch, der zweite den Hausstrom. Was Wärmepumpe und Wallbox verbrauchen, ergibt sich aus der Differenz. Die PV-Einspeisung wird ebenfalls vom zweiten Zähler erfasst.

Green Planet Energy nahm im Januar 2022 aufgrund der Marktturbulenzen zwar keine Neukunden mehr auf, hatte aber noch ein Restbudget für Bestandskunden zu dem unsagbar günstigen Tarif. Enttäuschung dann aber beim Versuch, den Wärmepumpenstrom zu buchen: Der Anbieter akzeptiert aus abrechnungstechnischen Gründen noch keine Kaskandenschaltung. Man arbeite dran (Juni 2022: immer noch). Wir sollen informiert werden, wenn es soweit ist. Hoffentlich dann noch mit Preisvorteil.

All das geschah aber erst fünf Monate nach der Inbetriebnahme. Zunächst hatte der Elektriker die Wärmepumpe ganz regulär an den Hausstrom angeschlossen. Generell brauchen die Netzbetreiber derzeit wegen der hohen Nachfrage aber mindestens ein paar Wochen, manchmal Monate, um zusätzliche Zähler zu installieren.

Andere Länder in Europa hatten übrigens bisher viel günstigere Strompreise für Privathaushalte: In den Niederlanden zahlte man 2021 mit knapp 13ct/kWh weniger als die Hälfte. Dabei sind die Erzeugungskosten in Deutschland im durchschnittlichen Bereich. Durch den hohen Wind- und Sonnenanteil sinken sie sogar noch, während sie in Polen und Frankreich zum Jahreswechsel 2021/22 durch die Decke gehen. Allerdings hat Deutschland hohe Steuern und Abgaben: Netzentgelte, Stromsteuer und die EEG-Umlage: Diese als "Kosten für die Energiewende" gelabelte Abgabe dient vor allem dazu, die hohen Einspeisekosten für Anlagen zu finanzieren, die z.B. im Solarboom 2008-2012 entstanden. Da Großverbraucher davon befreit sind, zahlen Privathaushalte quasi eine doppelte EEG-Umlage. Neue Wind- und PV-Anlagen erzielen derzeit mehr als den Marktpreis und entlasten die Umlage eher. Kurzum: In anderen Ländern lohnen sich Wärmepumpen bei niedrigen Strompreisen noch mehr.

Zu erwarten ist derzeit zwar ein weiterer Anstieg der Strompreise in Deutschland. Der Öl- und Gaspreis dürfte aber deutlich stärker nach oben gehen und mittelfristig vervielfachen. Somit vergrößert sich der Vorteil von Wärmepumpen mit jedem Jahr.

Die ersten Betriebstage - Umlernen beim Heizen

Im September nach fünf Monaten Warten auf einen Liefer- und Einbautermin stand sie dann früh morgens eingepackt vor der Tür. Die Handwerker benötigten drei Tage. Recht schnell war die alte Gastherme abmontiert. Nötig war eine Kernbohrung, also ein Loch in doppelter Rohrstärke, durch die Wand. Parallel dazu arbeitete der Elektriker und installierte einen neuen Stromkasten, da wir auch einen separaten Zähler für Wärmepumpenstrom planten. Dazu unten mehr. Auch ohne den Sondertarif wird ein Elektriker gebraucht.

Als sie dann in Betrieb ging, war es draußen noch recht mild. Wir benötigten nur Warmwasser. Das funktionierte, war aber anfangs sehr ineffizient eingestellt. Spannend waren auch die vielfältigen Einstellmöglichkeiten des Steuergerätes. Dazu mehr im Kapitel Konfiguration. Erst zwei Wochen später wollten wir heizen...

Alle Räume gleich warm - Regelung allein durch Außentemperatur

Je besser das Haus gedämmt ist, desto niedriger die Heizkurve. Unten die Außentemperatur.
Wir fahren mit 0,8. Quelle: Vaillant

Als energiebewusster Mensch habe ich bisher darauf geachtet, Räume nur nach Bedarf zu beheizen. Das funktioniert mit der Wärmepumpe nur begrenzt. Und hier musste ich komplett umlernen. Das Grundkonzept sieht vor, dass sich die Energie im Haus gleichmäßig automatisch verteilt. In den Räumen gibt es bei uns keinerlei Temperaturfühler mehr, die zu einem Hoch- oder Herunterregeln von Durchfluss oder Vorlauftemperatur führen. Stattdessen bestimmt allein der Außentemperaturfühler, wie warm der Vorlauf wird. Dazu wird dauerhaft eine Heizkurve gewählt, die jeder Außentemperatur (z.B. +5°C) eine bestimmte Vorlauftemperatur (z.B. 35°C) zuordnet, abhängig von der Hausdämmung und der Wunsch-Innentemperatur. Das sollte dauerhaft eingestellt und nicht mehr verändert werden. Man kann natürlich in der Praxis nachjustieren.

Nach hydraulischem Abgleich bleiben Thermostate durchgehend geöffnet

In unserem Fall versorgt eine einzige Heizwasserpumpe das gesamte Haus in einem einzigen Heizkreis. Auch zwei Pumpen für Erdgeschoss und 1.Stock wären für eine gleichmäßigere Verteilung machbar gewesen. Der Installateur hielt es aber nicht für nötig. Bedingung für die Förderung (s.u.) ist ein hydraulischer Abgleich. Das bedeutet: Ein Fachmann geht von Heizkörper zu Heizkörper und stellt die Ventile so ein, dass alle den gleichen Heizwasserdruck bekommen. Nahe der Inneneinheit wird gedrosselt, in Entfernung dagegen alles durchgelassen. Der Betrieb wartete aber wohl auf das VdZ-Formular des Energieberaters, welche Methode (A oder B) anzuwenden sei, der aber längst aus dem Spiel war. Erst auf mehrmaliges Nachfragen unsererseits kam dann ein Fachmann und schraubte an den Rohren, nachdem wir Grundrisse und Quadratmeterangaben geschickt hatten. Die Ergebnisse müssen bei der BAFA nicht eingereicht werden. In der Fachunternehmenerklärung muss der Installateur aber die Durchführung bestätigen.

Ehrlich gesagt haben wir keine große Änderung festgestellt. Die alten Thermostate bleiben regelbar. Man kann also weiterhin in einem unbenutzten Raum oder zum Lüften den Heizkörper abstellen. Als wir das anfangs allerdings an mehreren Orten gleichzeitig gemacht hatten, stoppte der Heizbetrieb. Seit fast alle offen sind, ist das nicht wieder vorgekommen.

Am Menü des Steuergerätes ist zu sehen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt. So kann man eben verschiedene Heizkreisläufe für verschiedene Bereiche oder sogar einzelne Räume installieren und diese dann mit einem Sensor im Raum versehen, der die Vorlauftemperatur steuert. Das ist aber aufwändiger, bedingt ggf. eine Änderung des Rohrsystems und wurde uns auch nicht angeboten.

Stoßlüften, Dichtungen, Wärmebrücken

Wenn man die Wärmepumpe effizient mit einem niedrigen Vorlauf betreibt, bedeutet das natürlich auch: Das Aufheizen eines Raumes dauert länger. Entsprechend nachteilig ist es, wenn Räume auskühlen. Lüften ist unverzichtbar, aber bitte nur kurz. Dazu muss man sich klarmachen, dass die Luft nur einen kleinen Teil der im Haus vorhandenen Wärmeenergie speichert. Sie schnell auszutauschen, ist kein großer Verlust. Viel mehr Wärme ist in Wänden und Mobiliar gespeichert. Wenn diese über mehrere Stunden auskühlen, dauert es lange, bis es in den Räumen wieder behaglich ist.
Fenster dauerhaft auf Kipp sind somit in der Heizperiode ein absolutes No-Go. Lieber einmal alles auf Durchzug aufreißen und dann schnell wieder zu. Es lohnt auch zu überprüfen, wo das Haus dauerhaft Wärmeenergie verliert. Das geht am besten an kalten und windigen Tagen. Ich musste bei uns feststellen, dass die Dichtungen der Haustüren zum Teil nicht anlagen. Türen lassen sich meist justieren, alte Dichtungen günstig austauschen oder verstärken. Interessant wäre auch der Einsatz einer Wärmebildkamera bei Frost, um Wärmebrücken zu identifizieren. Brauchbare Neugeräte kosten je nach Profi-Level ca. 200 bis 1200€, im kommerziellen Verleih ca. 50€/Tag. Das wäre gut investiertes Geld.

Konfiguration

Das Steuergerät (bei uns Vaillant SensoComfort) bietet viele wichtige Einstellmöglichkeiten. Dabei gibt es die einfache Regelung für den Endkunden und die Fachhandwerkerebene mit Zugangscode. Ich denke, es wäre unlauter, wenn sich ein Betrieb damit ein Exklusivrecht zur Wartung sichert. Unser Installateur ließ den Zugriff jedenfalls zu. Man muss sich nur etwas mit den Fachbegriffen beschäftigen.

"Regelung" und "Information"

In diesem Menu kann man kurzfristig die Betriebszeiten für das Heizen einstellen, die Grundtemperatur erhöhen oder auch Stoßlüften mit Betriebspause für wenige Minuten aktivieren. Unter "Information" finden sich die Warmwassertemperatur (die Vorlauftemperatur ist nur in der FH-Ebene), und auch Verbrauch in kWh für Heizung und Warmwasser, sowie die "kostenlose" Umweltwärme, woraus man sich die JAZ errechnen kann.

Die Fachhandwerkerebene

Wichtige Werte sind die Heizkurve (bei uns 0.8), die minimale und maximale Vorlauftemperatur, die Absenktemperatur (angestrebte Raumtemperatur bei Nacht). Man kann einstellen, ab welcher Außentemperatur nicht geheizt wird, wie lange die Warmwasseraufbereitung den Heizbetrieb blockieren kann und auch die minimale Wassertemperatur, sowie ein Zusatzpuffer zur Wasser-Wunschtemperatur. Diese Werte waren anfangs viel zu hoch eingestellt, so dass die JAZ unter 3 sank und ein Vorlauf von 75°C für das Warmwasser nötig war.

Flüsterbetrieb

In Zeiten, in denen nicht die volle Heizleistung gebraucht wird, kann man die Wärmepumpe auch stundenweise in den Flüsterbetrieb versetzen. Dann laufen die Propeller deutlich langsamer und entsprechend ruhiger. Der COP ist laut Datenblatt fast derselbe. Nur bei starkem Frost reicht die Heizleistung womöglich nicht mehr aus. Dann geht entweder der teure Heizstab an, wenn man diese Möglichkeit im Menü aktiviert, oder das Haus wird eben nicht ganz so warm. Im Winter sind aber ohnehin weniger Leute draußen, die potentiell gestört werden könnten. Ganz anders im Sommer, wo ohnehin nur Leistung für das Warmwasser gebraucht wird. Entsprechend denke ich, dass wir in der Heizperiode durchgehend im Normalmodus und im Sommer durchgehend im Flüsterbetrieb fahren können.

Drei Zeitschaltuhren

Da wir es nachts ohnehin nicht so warm mögen und auch Ruhe in den Heizkörpern gewünscht ist, bleibt unsere Wärmepumpe von 22 bis 9 Uhr aus. Die Temperatur sinkt dann etwa von 20,5 auf 18,5 Grad ab. Auch hierzu kursieren in den Foren viele Meinungen, ab man lieber durchheizen sollte und damit das leichte Auskühlen und stärkere Hochheizen am nächsten Morgen damit vermeidet. Andererseits ist es nachts draußen eher kühl. Da sinkt auch die Effizienz. Am Ende ist die längere Auszeit und damit der verminderte Energieverlust durch die geringere Temperaturdifferenz innen-außen eher ein kleiner Vorteil, würde ich vermuten.

Einstellen kann man für jeden Wochentag zu beliebigen Zeiten (3 Zeitfenster maximal):

Mit der Heizung starten wir um 9, mit dem Warmwasser erst um 11 Uhr. Generell hat Warmwasser Vorrang. So kann der Heizbetrieb um 9 erstmal anlaufen. Um 11 Uhr, wenn die höhere Warmwassertemperatur erzeugt werden soll, scheint manchmal auch schon die Sonne und PV kann genutzt werden. Das dürfte der Effizienz zu Gute kommen. Im Sommer läuft die Wärmepumpe nur vormittags und abends wenige Minuten an, um Warmwasser zu produzieren.

Frostschutz

Bei -8°C am 25.12.2021 springt nachts ab 2 Uhr der Frostschutz an.
Die Wärmepumpe läuft tagsüber durchgehend und zieht ca. 30 kWh Strom.
Alle Spitzen über 3,5 KW sind andere Verbraucher. Spät abends lädt das E-Auto.

Es rauscht dann aber doch wieder, wenn es kälter als +4°C wird. Die Steuerung hat eine fest eingestellte Frostschutzverzögerung von 4 Stunden, die man auch nicht in der Fachhandwerkerebene ändern kann. Auf Anfrage hieß es, das könnten wirklich nur Fachhandwerker mit spezieller Software auf dem Laptop. Punkt 2 Uhr nachts geht es also los, wenn die Pause um 22 Uhr begonnen hat. Unser Servicetechnik konnte das Intervall nicht sofort ändern, setzte aber die Absenktemperatur von 13°C auf den niedrigsten Wert von 5°C. Das ist der niedrigste mögliche Wert. Diese Temperatur setzt fest, unter welchen Wert die Haustemperatur nicht sinken soll. Nun ist es bei uns ja deutlich wärmer. Aber es geht auch nicht um die 5°, sondern den Vorlaufwert, der sich daraus berechnet. Und wenn der Vorlaufheizkreis unter diesen berechneten Wert sinkt, wird geheizt. Das passiert jetzt nur noch bei strengem Frost. Bei Werten über 0°C zieht die Wärmepumpe nur kurz etwas Strom und schweigt dann wieder bis zum Morgen.

Bei Frost passiert es auch regelmäßig, dass in einem kurzen Moment eine kleine Nebelwolke um die Außeneinheit entsteht, die dann verdampft und weggepustet wird. Offenbar wird da kurz hochgeheizt.

Wie läuft sie denn - erste Erfahrungen

Geräusche draußen

Wir haben nun einen Doppelpropeller. Die Geräusche haben zwei Komponenten. Da ist zum einen das tiefe Pusten, das nach ca. 10-20 Metern tagsüber im Verkehrslärm und den Geräuschen einer Abwasser-Pumpstation aufgeht. Dabei haben wir es relativ ruhig in der Siedlung. Gut 1,5 km sind es zur Bundesstraße, gut 2 km zur Autobahn. Die Propeller erzeugen dabei einen moderaten 100 Hz-Ton. Der Flüsterbetrieb (s.u.) ist dagegen tatsächlich kaum wahrnehmbar.

Nur nah dran ist ein hohes Zwirbeln zu hören. Ein Wohnblock mit Gärten und Balkons steht gegenüber. Dort wäre nur nachts etwas zu hören, wenn der Verkehrslärm leiser ist. Aber dann ist die Pumpe aus.

Bei Bedarf sind Schallschutzumbauten in allen Größen und Preislagen von 300 bis 3000 Euro erhältlich. Wichtig wäre, dass daran nicht der Luftdurchsatz leidet.

Innen: Kaum Geräusche im Betriebsraum - aber die Heizungen rauschen etwas lauter

Im Hauswirtschaftsraum ist es ruhig geworden. Zwar ist die Inneneinheit ein bisschen zu hören. Das regelmäßige Hochfahren der Gastherme war vorher aber viel lauter. Auch die Propellergeräusche sind im Haus nicht wahrnehmbar.

Lauter ist das Rauschen der Heizkörper geworden. Da bei der geringeren Vorlauftemperatur wohl ein höherer Durchlauf notwendig ist, braucht die Heizkreispumpe wohl mehr Kraft. Das wurde auch nicht merklich durch den hydraulischen Abgleich besser.

Verbrauchswerte

Besser als erwartet. Von September bis Januar ergibt sich eine JAZ von exakt 4. Da es in dieser Zeit kälter als im Jahresmittel ist, dürfte der Wert noch steigen. Warmwasser mach 23% der Stromkosten aus. Diesert Wert dürfte entsprechend steigen. Der Warmwasserverbrauch entspricht einem 4-Personen-Haushalt. Die Heizkosten pro Tag sind außentemperaturabhängig. Beim Warmwasser macht die Jahreszeit überraschenderweise nicht so viel aus.

Außentemp Tag/NachtStrom Heizen pro TagStrom Warmwasser pro Tag
-8°C40 kWh4.2 kWh
-4°C30 kWh3.8 kWh
0°C20 kWh3.4 kWh
4°C10 kWh3.2 kWh
8°C5 kWh3 kWh
12°C2 kWh2.5 kWh
Typischer Verlauf des gesamten Hausstroms in der Übergangszeit am 24.10.2021.
Das Takten der Wärmepumpe in der Betriebszeit von 9-22 Uhr ist deutlich zu erkennen.
Es war ein sonniger Tag. PV-Strom und Wärmepumpenbedarf laufen aber nicht synchron.

Ganz nett ist die Möglichkeit, den Verbrauch über das WLAN-angebundene SmartMeter der PV-Anlage mitzuverfolgen. Zu sehen ist nur die Summe aller Verbräuche. Die Wärmepumpe mit ihren Taktungen ist aber meistens klar zuzuordnen.

Nur wenig Strom aus der eigenen PV-Anlage

Wie erwartet, leistet die 10 kWp-PV-Anlage nur einen kleinen Beitrag zum Heizen - grob geschätzt etwa 20%. An den vielen trüben Herbst- und Wintertagen liefert sie nur mittags vernachlässigbare 2 bis 4 kWh, die ohnehin im Hausstrom-Eigenverbrauch aufgehen, während die Wärmepumpe etwa 15 bis 20 kWh über den gesamten Tagesverlauf benötigt. Besser sieht es in der Übergangszeit und natürlich im Sommer aus, wo es ausschließlich um Warmwasser geht. Die PV-Produktion und der Heizbedarf sind einfach jahreszeitlich gegenläufig. Trotzdem könnte bei weiter steigenden Strompreisen eine Erweiterung der PV-Anlage ein Thema werden. Das hängt auch von der steuerrechtlichen Seite ab. Bisher brauchen Eigenverbrauch und Einspeisevergütung bei Anlagen bis 10 kWp nicht versteuert werden. Über der Grenze entsteht ein bürokratischer Aufwand. Aber vielleicht wird sie ja mal angehoben.

Warum Wärmepumpe und nicht Fernwärme, Gas oder Solarthermie?

Vieles spricht dafür, dass Wärmepumpen in einigen Jahren die günstigste und klimaschonendste Lösung für das Eigenheim sind. Sie benötigen Strom, der nach den aktuellen Bundesplänen im Jahr 2030 zu 80% aus erneuerbaren Quellen kommen soll. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Doch die Richtung ist klar.

Die Statistik für 2021 weist knapp die Hälfte der Stromerzeugung als erneuerbar aus. Nur in wenigen windigen, sonnigen Momenten kommen die Erneuerbaren bundesweit auf 100%. Bei einer kritischen Herangehensweise ließe sich einwerfen, dass die zusätzlich angeforderte elektrische Energie im Moment fast ausschließlich durch fossile Kraftwerke bereit gestellt wird. Vor allem E-Auto-Kritiker argumentieren so, bei Wärmepumpen ist es aber im Prinzip dasselbe. Der gute Wirkungsgrad der Wärmepumpe (400%) und der schleichte Wirkungsgrad der Gas- bzw. Kohlekraftwerke bei der Stromerzeugung (30-40%) gleichen sich aber etwa aus. Von der CO2-Bilanz entsteht also selbst bei dieser ungüstigen Rechnung kein Nachteil. Der Strompreis wird nur steigen, solange Wind- und Sonnenenrgie noch nicht ausreichend ausgebaut sind. Schon bald dürfte er sich stabilisieren, während Gas weiter im Preis steigt. Zudem ist hier in Norddeutschland schon jetzt viel Windstrom im Netz, der im Moment nicht immer nach Süddeutschland übertragen werden kann, so dass Windanlagen regelmäßig gedrosselt werden müssen. Und ein weiterer massiver Zubau ist geplant. Insofern macht es aktuell Sinn, den Strom auch hier zu verbrauchen.

Ein Unsicherheitsfaktor sind natürlich die Wartungs- und Reperaturkosten. Die Lebensdauer wird auf verschiedenen Webseiten mit 15 bis 20 Jahren angegeben. Der Kompressor allein sei für bis zu 30 Jahre ausgelegt. Eine Wartung wird empfohlen. Andererseits entfällt der Schornsteinfeger.

Eine neue Gastherme? Keine gute Idee.

Der CO2-Preis wird weiter steigen, da die Zertifikate verknappt werden. Fossiles Erdgas wird damit teurer. Hinzu kommt die Unsicherheit durch die Marktturbulenzen: Kurzfristig hat sich der Erdgaspreis auf dem Spotmarkt mehr als verzehnfacht! Bisher fangen langfristige Lieferverträge bei den meisten Versorgern das noch auf. Doch das böse Erwachen ist absehbar.

Zwar ist es auch möglich, aus Wind- und Sonnenenergie Wasserstoff und daraus Gas (Methan) herzustellen. Dabei entstehen aber riesige Verluste. Das wird also entsprechend teuer. Außerdem dürfte die grüne Wasserstoffproduktion in großem Stil erst in den 2030er Jahren an Fahrt gewinnen. Und was da ist, ginge dann zuerst an die Industrie, eventuell auch für Flugzeug- und Schiffsantrieb. Um das Erdgasnetz mit grünem Methan zu füllen, bräuchte man Mengen, die kaum vor 2040 oder 2050 bereit stehen, da erst ein Vielfaches an Wind- und PV-Parks installiert sein müsste. Schon jetzt heißt es, Wasserstoffimporte seien auch danach noch notwendig.

Konventionelle Fernwärme

Bisher galt Fernwärme ja als besonders effizient und damit umweltfreundlich. Schließlich wird die Abwärme bei der Stromerzeugung genutzt, um eine Stadt oder ein Dorf zu beheizen. Wenn dafür Gas oder Kohle verbrannt wird, schadet das allerdings dem Klima. Entsprechend sitzen alle Stadtwerke, die darauf setzen, in der Preisfalle. Das gilt z.B. selbst die die Stadtwerke Flensburg, die mit der Gas- und Dampfturbine gerade erst in eine besonders effiziente Technik investiert haben. Noch ist offen, wie sich die Weichen stellen. Im Gespräch sind je nach Standort Großwärmepumpen für Meerwasser oder auch Geothermie, vor allem in Süddeutschland. Es könnte auch Sinn machen, die Abwärme von Elektrolyseuren oder der Wasserstoffrückverstromung für Fernwärmenetze zu nutzen. Wasserstoff könnte ja zum saisonalen Speichermedium werden, um längere Dunkelflauten im Winter zu überstehen. Bei der Netzung der Fernwärme fallen die Verluste nicht ganz so hoch aus. Zumindest bis 2030 wird es aber kaum soweit sein. Insofern heizen konventionelle Fernwärmekraftwerke in diesen entscheidenden Jahren noch weiter das Klima an.

Die Stadtwerke Flensburg haben in eine Gas- und Dampftubinenanlage investiert.
Sie arbeitet besonders effizielnt, belastet aber trotzdem das Klima

"CO2-freie" Fernwärme

In unserem Dorf wird nun Fernwärme aus einem kleinen Kraftwerk angeboten, das hauptsächlich Holzhackschnitzel aus der regionalen Forstwirtschaft verbrennt. Hinzu kommt etwas Biogas. Dies wird als CO2-frei beworben, weil die Bäume das CO2 der Atmosphäre entzogen haben, das dann der Verbrennung wieder freigesetzt wird. Daher wird solch ein Fernwärmeanschluss bisher auch bisher staatlich gefördert.

Die CO2-Bilanz ist natürlich nicht ganz neutral, solange zum Transport Dieselfahrzeuge unterwegs sind. Selbst wenn sie irgendwann elektrisch fahren, bleibt aber ein Problem: Was wäre, wenn man das Holz stattdessen einlagern und eben nicht verbrennen würde? Das würde die CO2-Freisetzung bei den Zersetzungsprozessen um einige Jahre verzögern. Diese Jahre sind gerade sehr entscheidend.

Hinzu kommt, dass dies keine Lösung im großen Maßstab sein kann. Es gibt die Überlegung, Kohlekraftwerke mit Holz weiter zu nutzen. Doch dafür reichen die hiesigen Mengen gar nicht aus.

Preislich ist man bei der Fernwärme von einem Einzelanbieter abhängig. Der Anpassungsfaktor ist an die generelle Entwicklung von Wärmepreisen gekoppelt. Die laufenden Kosten könnten damit höher als bei der Wärmepumpe liegen. Dafür sind die Anschaffungskosten niedriger. Und man hat keinen Stress mit Wartung und Geräuschen. Die Entscheidung war knapp. Das örtliche Projekt ist OK. Aber aus genannten Gründen favorisierte ich dann doch die Wärmepumpe.

Solarthermie

Bei Solarthermie wird die Sonneneinstrahlung auf dem Dach direkt für die Wärmeerzeugung genutzt. Generell gibt es das gleiche Problem wie bei PV: In der Heizperiode liefert die Sonne nur wenig Energie. Da PV bereits einen Beitrag leistet und die Installation Aufwand und Kosten verursacht, haben wir das erstmal nicht in Erwägung gezogen. In bestimmten Situationen mag Solarthermie aber lohnend sein. Auch hierfür winken Fördergelder.

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Das war viel Stoff. Gelegentlich werde ich die Seite um neue Aspekte ergänzen. Schauen Sie gerne mal wieder vorbei.

Weitere Infos:

Ist das Heizen mit Wärmepumpen nicht zu teuer? aus der Serie "Wärmepumpe im Bestand" vom Fraunhofer ISE. Die Annahmen zum steigenden Gaspreis erfüllen sich schneller, als dort prognostiziert, während die Strompreise wohl erstmal nicht sinken werden - trotz Abschaffung der EEG-Umlage.

Autor: Peer-Axel Kroeske (Mail / Homepage)

Weitere Links:
Der CO2-Preis-Rechner
globalenergyconcept.org
Energiewende global